Doch nicht nur Wasser und Nahrung stellen in dieser staubigen Umgebung für den Stoffwechsel eine große Gefahr dar. Die Hitze, so merkt es der Mensch schnell, ist eine schweißtreibende Angelegenheit. Das salzige Wasser läuft und läuft und ist nicht mehr zu stoppen. 10 bis 14% des Wassergehalts kann er verlieren, doch dann treten schon schwerwiegende Stoffwechselstörungen auf, die nicht selten zum Tod führen. Ein Kamel dagegen übersteht einen Wasserverlust von 120 Litern ohne Schäden. Das sind etwa 40% seines Körpergewichts.
Diese Besonderheit des hohen Dehydrationsvermögens (Dehydration= Wasserverlust) liegt an der Beschaffenheit des Kamelblutes. So nimmt das Blutvolumen bei einem schwitzenden und durstenden Menschen schneller ab als das Körperwasser. Das Blut wird dickflüssiger und dadurch träger, so dass es die überschüssige Körperwärme nicht mehr schnell genug zur Abgabe an die Haut führen kann. Deshalb überhitzt der Körper bis zur Lebensgefahr. Der Wassergehalt im Plasma des Kamels dagegen ist relativ konstant, da das Wasser durch besondere Regelmechanismen gleichermaßen aus allen Körperflüssigkeiten abgegeben wird.
Gleichzeitig wird schon dem möglichen Wasserverlust beim Kamel vorgebeugt. So steht diesem der Schweiß
erst bei einer Körpertemperatur von etwa 40°C auf der Stirn. Die säugetiertypischen 38°C weist
es nur bei ausreichender Wasserversorgung auf. Sein Toleranzbereich liegt dagegen zwischen 34°C nachts
und 40°C tagsüber. Diese Fähigkeit bedeutet, dass die Energie in Form von Wärme gespeichert werden kann,
die sonst durch den Verlust an Körpergewicht (Ausschwitzen) verloren ginge.
Kamele besitzen eine Toleranz gegenüber einer regelmäßigen Hyperthermie, das heißt einer abnorm
hohen Körpertemperatur. Diese Besonderheit weisen nur wenige Säugetiere auf.
Auch beim Ausatmen verliert das Kamel über seine Atemluft kaum an Wasser, da es in der Nase
durch eine Oberflächenvergrößerung der Schleimhäute größtenteils rückkondensiert wird. Die ausgeatmete
Luft ist vergleichbar trocken wie die eingeatmete Wüstenluft
Die staubig heiße Wüstenluft wird zunächst in der großen kühlen Nase des Tieres angefeuchtet und durch Verdunstung abgekühlt. Damit dies möglichst schnell und effektiv passiert, ist die Oberfläche der feuchten Nasenschleimhäute durch vielfache Faltungen stark vergrößert. Auf ihrem Weg zur Lunge erwärmt sich die
Luft nun wieder und nimmt bis zur Sättigung Wasserdampf auf.
Beim Ausatmen kühlt die Luft dann wieder ab und weil kühle Luft weniger Wasser aufnehmen kann als
feuchte, kondensiert es bis zu 88% und bleibt in der Nase des Tieres zurück (Rückkondensation).
Durch die Verdunstungskälte, die zur Kühlung der heißen Wüstenluft in der Nase entsteht, wird auch das Blut abgekühlt, welches auf direktem Wege zum Gehirn und zu den Augen gelangt. Die Nase übernimmt also auch die Fünktion eines Kühlers für das Blut im Kopf und verhindert dadurch Funktionseinschränkungen durch eine Überhitzung.
Dieser Wärmeaustausch wird über ein Gegenstromprinzip geregelt. Das bedeutet,dass das aus dem Körper kommende warme Blut in der Nase abgekühlt und die abgekühlte, in die Lunge strömende Luft durch das warme vorbeiströmende Blut aufgewärmt wird.
Die Exkremente eines Kamels sind zudem stark konzentriert und werden deshalb mit möglicht wenig Flüssigkeit ausgeschieden. Das Kamel gibt gerade einen Liter Urin am Tag ab, was für ein Säugetier dieser
Größe eine äußerst geringe Menge ist.
Dabei kann durch eine besondere Verlängerung der Niere, die Henlesche Schleife, viel Wasser
resorbiert (= wieder aufgenommen) und dem Körper erneut zur Verfügung gestellt werden.
Sein Kot besteht aus kleinen, etwa wallnussgroßen Ausscheidungen, die sehr trocken sind.
Auch hier findet eine Wasserresorbtion statt, jedoch im Enddarm.
Reduziert wird der Wasserverlust auch durch den angepassten Körperbau des Kamels. Er ist hoch und schmal und bietet dadurch eine geringe Angriffsfläche für die steil brennende Mittagssonne.
Auch das Fell schützt das Tier durch seine helle, reflektierende Farbe vor dem Aufheizen, aber natürlich genauso effektiv nachts vor der eisigen Kälte. Ungeschorene Kamele schwitzen bis zu 50% mehr, um ihre maximale Körpertemperatur nicht zu überschreiten. Zweimal im Jahr wechselt das Tier von Winter zu Sommer und zurück zum Winterkleid.
Kamele besitzen neben den Reserven in den Höckern kaum Körperfett, damit sie die eigene Wärme schneller an ihre Umgebung abgeben können. Außerdem dienen die Höcker so nebenbei auch als Schattenspender.
Auf langen Beinen trägt das Kamel die Masse seines Körpers hoch über dem heißen Sand und die kleinen Ohren bieten wenig Oberfläche für Verdunstung (Transpiration).
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Wasserspeicher
Nahrung und Energiespeicher
Das Leben in der Wüste
Die Fortpflanzung in der Wüste